Facebook frisst auch nur das, was man ihm zu schmeißt...

Facebook frisst auch nur das, was man ihm zu schmeißt...

Bei einer Veranstaltung von Hennes Bender war ein Thema Facebook und wie schlecht es ist. Eine Datenkrake, die alles aufsaugt, was sie zwischen die Tentakel bekommt. Doch wie schlecht ist Facebook wirklich?

Jeder von uns hat die Freunde, die ihr ganzes Leben im Netz breittreten müssen. So liest man von frisch gebackenen Müttern, wann der kleine Maxi das erste Mal was gegessen hat, wann er das erste Mal ein Wort rausbrachte und natürlich vom ersten Häufchen. Manchmal sogar mit Bild. Doch wen interessiert es wirklich? Die geringste Anzahl sind die, die ernsthaft was da drunter schreiben. Die meisten, von denen, die hier interagieren, sind die Gefällt Mir-Klicker. Aber auch von denen sind es 95%, die meinen, „na komm, gib ihr den Klick.“. Sie klicken einfach, aber eher uninteressiert.

Dasselbe ist bei Geburtstagen zu beobachten. Wer hat Geburtstag und freut sich nicht über Glückwünsche? Facebook zeigt mir jeden Tag an, wer Geburtstag hat. Und was machen da viele? Sie senden Glückwünsche. Oftmals so ein „Alles Gute…“. Freut man sich doch über die Reaktionen?! Im Ernst???? Nein. Die Leute, die mir ein Bild und/oder längeren Text schicken sind die, die einem wirklich gratulieren. Die dich gratulieren, weil sie dich mögen. Die, mit dem Null Acht Fünfzehn Spruch, sind die, die irgendwie ins Spiel gebracht werden wollen und was Gutes tun wollen. Denen geht es um sich und nicht um deinen Geburtstag. Sie tun das, um damit entweder eine gute Tat vollbracht zu haben oder, dass du sagst, „Ach kuck, die Mutti vom kleinen Maxi hat mir gratuliert.“

Wer nicht gratuliert, bekommt den Spaß am nächsten Tag angezeigt, dass du gestern Geburtstag hattest. Wer gratuliert da noch??? Bei wichtigen Freunden ist das ok, aber nicht beim Rest…

Mit wem von deinen 500 Leuten kommunizierst du?? Der Großteil der Freunde auf Facebook ist der, mit denen man mal irgendwann irgendetwas zu tun hatte. Sollte zumindest so sein. Da sind alte Schulfreunde, Studienkollegen, Arbeitskollegen, Freunde, Freunde von Freunden und die gute alte Verwandtschaft. Mit wem kommunizierst du? Mit den aktuellen Freunden. Mit denen, die man ohnehin regelmäßig trifft. Der Rest ist da, aber mehr nicht. Ich finde es selbst immer wieder interessant, wenigstens über die Chronik etwas über Leute, mit denen ich früher etwas zu tun hatte, zu lesen. Doch was will man lesen?

Mein Bruder, den ich hier mit erwähnen muss, ist einer der Leute, von denen ich lesen muss, es aber eigentlich nicht will, er ist mein Bruder. Das ganze Leben wird auf Facebook geteilt. Essen!! Ihr habt Freunde, die Essen teilen. Ich auch! Essen ist ein Bedürfnis, dass wir haben, sonst würden wir irgendwann tot umfallen. Wie Kacken. Das gehört dazu. Jeder isst und jeder kackt. Jeder isst mal was Gutes und was nicht so Interessantes. Raus kommt das aber alles als Kacke. Muss das jetzt gepostet werden??

Zurück zu meinem Bruder. Er postet was das Zeug hält. Wenn wir unterwegs sind, wenn er unterwegs ist, wenn er was kauft, wenn er was essen geht, wenn er sich mit Leuten trifft…alles wird gepostet. Bruderherz, hast du dich schonmal gefragt, wen das wirklich interessiert? Unserer Mutter vielleicht, die auch Facebook entdeckt hat. Damals…

Schlimmer sind noch die Leute, die Facebook emotional nutzen. Das sind die schlimmsten. Wie grauenvoll es ist, Texte zu lesen, wie „Die Alte hat mich heute verlassen, die Schlampe“. Oder „heul, ich habe meinen Job verloren und alles ist so schlecht…die Welt ist soo schlecht.“. Schlimm sind daran die Leute, die da noch drauf positiv reagieren mit „Du armer…“. Bitte reagiert nicht.

Als ich früher auf Facebook klickte, klickte ich nicht gern drauf. Ich bin Fan von VNV Nation, Assemblage 23, And One…etc. Trotz einem like it sah ich nie was von denen. Sondern von den Leuten, die ihr Leben hier präsentieren müssen. Ich bin dadurch weg von Facebook, habe es lange ignoriert. Mittlerweile gehe ich wieder gern auf Facebook. Schaue mir dort ein Video von Torsten Sträter an, weil ich wissen will, dass in Walltrop jetzt dort testweise mit Euro bezahlt wird. Vorher waren es lebende Hühner. Oder weil ich richtig Bock auf einen flachen Witz von Markus Krebs habe, der von einem Typen erzählt, der einen Brennholzverleih aufgemacht hat.

Was habe ich gemacht? Ich habe angefangen die Leute, von denen ich nicht mehr lesen wollte, einfach nicht mehr zu abonnieren. Und bei Seiten, die mich interessieren, like it zu klicken und auch von diesen Seiten die Beiträge zu teilen. So bekam ich auch immer mehr angezeigt, was mich interessiert und immer weniger von dem Müll, der verbrietet wird. Während ich früher immer Stunden verbrachte mir mit Suchmaschinen News aus der IT-Welt zu suchen, werden die jetzt druckfrisch und noch warm von Facebook geliefert, auf dem silbernen Tablett. Und Golem, Heise oder JAXenter freuen sich auch, wenn deren Beiträge gelesen und geteilt werden.

Was sollte jeder machen, um Facebook schöner zu gestalten? Leute, postet nicht mehr so viel Scheiße auf Facebook. Es werden zwar wenig Bilder von verdauten Essen gepostet, aber das, was von Privatnutzern gepostet wird, fühlt sich genauso an. Facebook mag eine Datenkrage sein, aber der Ruf ist schlechter, als es wirklich ist. Es kann auch nur die Daten aufsaugen und verkaufen, die man Facebook gibt. Überlegt euch, was Facebook und der Rest der Welt von euch wirklich wissen soll und was auch der Welt zumutbar ist. Und glaubt nicht alles, was gepostet wird. Auch die 1.000 iPhones, die verlost werden, wenn ihr da euren Namen drunter postet und das teilt, werde nicht verlost. Oder kennt ihr jemanden, der meinte, dass er/sie ein iPhone auf Facebook gewonnen hat, weil er da seinen Namen drunter schreibt und das teilt. Das sind Schneeballsysteme, die an eure Daten wollen und Schaden anrichten können. Leider wird dies auch sehr viel mit Bildern von kranken Kindern oder vermissten Leuten gemacht. Geht lieber raus, macht euch selbst ein Bild von dem, was ihr auf Facebook lest. Recherchiert nach und betrachtet die Sachen objektiv. Das macht es einfacher.

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